Eine Berliner Hundegeschichte

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Es war zwei Uhr morgens, bis dahin hatten wir uns in Begleitung einer schönen Flasche Merlot, deren Inhalt sich angenehm rubinrot in unsere kompakten, italienischen Lieblingsgläser nach und nach ergoss, an unseren Computern aufgehalten. Längst war es schon Zeit um mit unserem Raben auf die Straße zu gehen und die stupide Nachtrunde um den nahen Chamissoplatz zu drehen. Sein aufforderndes Verhalten gab uns letztlich auch keine Chance mit unserer Arbeit fort zu fahren. Wegen der englischen Witterung, die sich unliebsam auf unserem Balkon seit Stunden verfangen hatte, viel es uns nicht leicht dieser Verantwortung nachzukommen.

2017-05-30 Blitze über Berlin - Foto© Carlo Wanka

So bestand unsere erste Aufgabe darin unseren süßen, schwarzen Cockerspaniel mit allen möglichen Spielen und Beschäftigungen so abzulenken, daß er vergaß weswegen er zuvor uns so intensiv mit seiner kalten Schnauze attackiert hatte. Ein Stunde lang gelang es uns, doch dann blieb uns nichts anderes, als unseren inneren Schweinehund zu überwinden und uns behäbig anzuziehen, um seiner fordernden Natur gerecht zu werden. Leicht viel es uns nicht die kuschelige, warme Behausung gegen eine triste, ungemütliche Straßenatmosphäre einzutauschen. Kurz nach drei stand das Rudel fertig eingepackt an der Wohnungstür um sich nun vier Stockwerke tief in die Nacht zu stürzen. Unser Hund stürzte, wie immer, ungeduldig vor, um dann seinen Freiheitsdrang von einer dieser schweren, Berliner Haustüren abrupt stoppen zulassen. Nach nur wenigen, für ihn endlose lange Menschenminuten, die er mit herzzerreißendem Wimmern kommentierte, war er dann frei. Sofort gab er Vollgas, um sogleich zwei Meter weiter seine Nase in die spärlich vorhandene Erde am erst besten eingepflasterten Baum zu bohren. Nach dem er die neusten D-Mails (modern für Dogmails) empfangen hatte,Charly am Balkon Berlin bestätigte er auf seine typische Art. Für uns wird es ein ewiges Rätsel bleiben, was unseren kleinen Schwarzen dazu bewegt, nicht wie normale Hunde zu schnuppern und dann zu markieren, sondern erst eine Spaniel-links-rechts-polka zu tanzen, dann das eine Hinterbein sich drehend auf das andere, hebend endlich zu mailen und dies mit lautem Gebell noch zu dolmetschen. Aber na ja, schließlich leben wir in einer Demokratie und jeder Hund kann nach seiner beliebigen Fasson Nachrichten verschicken. Kaum einen für uns endlos lang wirkenden Hundeaugenblick später signalisiert er uns, durch Sitz machen an der Bordsteinkante, dass Tier so weit ist und wir nun mit Ihm über die Straße gehen dürfen. Wir sagen dann – hast Du brav gemacht, bist ein feiner Rabe – und setzen über, wenn es die nächtliche Touristen- und Filmindustrie gefahrlos zu lässt. Uns gucken sie nämlich gerne an – hier so im Chamissokiez.

2017-11-26 Kreuzberg im Regen 2 - Foto © Carlo Wanka

Fotos © Carlo Wanka

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