Fingerbreit & Glück

Erster Advent 2013Kaminfeuer - foto bei carlo wanka

Gestern eine einzige Schufterei. Bett raus und rauf, Omaschrank rein und großen Glastisch rüber. Alles ummodeln, alles putzen, alles ausräumen und wieder neu sortiert einräumen. Wo ist denn jetzt, wo habe ich denn jetzt? Ach, da. Gut! Aber es sieht viel besser aus als zuvor. Doch, der Irrsinn hat sich rentiert. Der Kaminofen brennt. Der Kater untersucht die Änderungen und die Hunde sind unschlüssig, welches ihre neuen Lieblingsplätze werden sollen. Ich werde ihnen aber nicht verraten, dass auch dieser Zustand der Zimmer nur ein vorübergehender ist. Ja, ich habe noch viele Pläne, viele Änderungen vor. Nicht nur räumliche.

Doch dann war es 21 Uhr, ich fühlte mich geschafft. Wie gesagt es war eine einzige Schufterei, und dabei hatte ich bei den schweren Möbeln aktive Unterstützung von Markus, einem Nachbarjungen, einem 16 jährigen Freund, den ich seit dem er 7 war kenne, mit 12 die Schlüsselgewalt meiner Behausung übertrug – wie ein Ziehsohn ist er. Ein Mann von über 185 Zentimetern, groß wie ich. Alle Flausen, die ein Junge sich nur ausdenken kann, vielen Blödsinn den er macht, haben wir schon vor langer Zeit auch getan. Er ist ein richtig guter Kerl. Heute überraschte er mich mit einer Mohn- und einer Laugenstange. Neugierig sah er sich um, er wollte wissen zu welchem Ergebnis diese Plackerei geführt hatte. Er kam, sah und lachte. Die Hunde bekamen sich nicht ein vor Begeisterung.

Gestern Abend, ich setzte mich in meine neue Anordnung mal da hin, mal dort, doch immer wieder sprang ich auf und rückte das eine oder andere ein wenig hin, ein wenig her. Setzte mich erneut, schaute. So beschäftigte ich mich noch bis kurz vor Mitternacht.
Schon längst hatte ich geplant in meinen schwarzen Sesseln zu sitzen, einen schönen Scotch Whisky zu trinken, dazu genüsslich Zigaretten zu rauchen dem Feuer beim Tanz im Kamin zuzusehen und mir über die neu installierte Anlage gute Barmusik anzuhören.

Um Mitternacht war es vollbracht, ich saß und nichts reizte mich mehr noch einmal aufzuspringen.
Ich hatte mir einen 12 Jahre alten Dimple fingerbreit in meinen uralten Tumbler gegossen, welche Farbe, welch herrlicher aromatischer Geruch. Eine einzelne Kerze als stellvertretende Adventskerze, die kleinen Lampen angeknipst. Gerade die Salzlampe verbreitete ein wohliges Licht, farblich passend zu den züngelnden Flammen des gusseisernen Kameraden. Über den Laptop wählte ich meine ‚Bar‘ Playlist. Charly, ein rabenschwarzer Cocker, schon der Todesspritze zugesprochen gewesen, kuschelte sich auf dem anderen schwarzen Sessel – Ton in Ton. Er räkelte sich genüsslich. Lasker die ich immer als ‚reinrassiges böhmisches Jagdspiel‘ bezeichne, die dem Hungertod mit Infusionen entronnen war, lag wohlgenährt und zufrieden vor der Feuerstelle. Ernest Green, das Katermännchen ohne tragischer Vergangenheit, jedoch zur Zeit von leichtem Katzenschnupfen geplagt, lag im Hundekörbchen zwischen den beiden Sesseln und wirkte ebenfalls zufrieden.

Es war Punkt 23 Uhr 59 als ich mein Glas kreisend erhob und meinen Gefährten einen frohen ersten Advent wünschte. Die maximale Reaktion auf meinen Trinkspruch kam von der Hündin – ein minimaler, leicht fragend wirkender Hundeblick, ohne Kopfbewegung.
Mit mir und der Welt zufrieden nippte ich an meinem köstlichen Drink. Einfach toll welche zufriedenen Gefühle mich durchfluteten.
Gemütliches Ambiente, stimmungsbetonte Musik, ein von Meisterhänden kreierter Alkohol, ein entspanntes Rudel und ich mitten drin. Ich Glückseliger.

Seit Monaten, das erste Mal, dass ich richtig loslassen konnte. Ein unbeschreibbares Gefühl, der tiefsten Zufriedenheit übermannte mich. Mit langen ruhigen Zügen rauchte ich und ein breites Grinsen konnte nicht von mir lassen. Zufrieden. Frieden. Frieden in mir.

Diesen wohlwollenden Rausch hielt ich bis gegen vier Uhr morgens. Dann ging ich zu meiner Ruhestätte, die ja ebenfalls eine neue Örtlichkeit bezogen hatte und schlief tief und fest.

Heute kam ich runter, total super ausgeschlafen, obwohl es nur fünf Stunden waren. Meine Viehchermeute begrüßte mich mit der Sonne um die Wette. Ich sah mich um, trank Kaffee und auch heute gefiel mir mein Werk.
„Wuff, und jetzt ab in den Wald!“ „Na klar Freunde!“

Erster Advent © 2013 Carlo Wanka

KaminImpression - foto carlo wanka

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